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Soundkarten Recordings teilweise OFFLINE

Auf AmoRetro.de hat es lange Zeit keine Updates mehr gegeben – aber bald schon geht es weiter mit toller Hardware.

Momentan arbeite ich im Hintergrund an einer Umstellung des Audioplayers für die Soundkarten-Recordings. Es ist nicht mehr zeitgemäß, Flash-Player zu nutzen, die unter anderem auch etliche Endgeräte von der Nutzung ausschließen. Daher erfolgt eine Umstellung auf einen HTML5-kompatiblen Audioplayer. Welche Recordings bereits umgestellt sind, ist auf der Seite „Soundkarten Recordings“ zu sehen – falls umgestellt findet sich dort bereits der neue HTML5 Player, der unter anderem auch eine Playlist-Funktion bietet.

Darüber hinaus könnt ihr euch in diesem Jahr noch über neue Recordings freuen, folgende Wavetables warten schon:

  • Ensoniq SoundScape / SPEA Media f/x
  • Turtle Beach Tropez
  • Turtle Beach Maui
  • Adlib ASB 64 Pro Wave 4D IDE
  • Adlib MSC 32 Wave PnP
  • Orchid SoundWave 32
  • Orchid GameWave 32
  • Yamaha LSI- Audio Wave

Creative Sound Blaster Pro (CT1330A), Dual Yamaha OPL2

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Abbildung: SoundBlaster Pro CT1330A, finale Revision, Serial No. 198730

Der SoundBlaster Pro CT1330A war die erste Soundkarte von Creative, die Soundsamples und FM-Musik in Stereo abspielen konnte. Außerdem wurde mit dem SoundBlaster Pro auch bei Creative die Tradition eingeführt, Soundkarten mit CD-ROM Interface auszustatten. Der Standard war kompatibel zu Panasonic und den hauseigenen Creative-Laufwerken.

Auch wenn der Name „Creative Technology“ vermuten lässt, dass sich auf der Karte reichlich selbst erdachte Innovationen finden, wurde der SoundBlaster Pro aus der puren Not heraus geboren, denn wenige Monate zuvor legte der US-Hersteller MediaVision die Messlatte mit der „Pro AudioSpectrum“ Soundkarte enorm hoch und setzte den Marktführer stark unter Druck: Das Monozeitalter sollte nun, Anfang 1991, auch im Consumerbereich entgültig vorbei sein. MediaVision präsentierte eine mächtige Karte, die gleich zwei OPL2 Synthesizer von Yamaha einsetzte, um Stereomusik zu ermöglichen. Auch Stereosamples ließen sich abspielen, in sehr guter Qualität, ein Hardwaremixer und ein SCSI-Interface rundeten den Oberklasseanspruch ab. Doch damit nicht genug: Parallel arbeitete auch der PC-Soundpionier AdLib fleißig an einer neuen Karte, die mit dem brandneuen OPL3 Stereochip und einem wesentlich besseren DAC wie aus einer anderen Welt wirkte. Die „AdLib GOLD“ getaufte Karte war zwar Highend auf dem Papier, hatte erfreulicher Weise (aus der Sicht von Creative) noch keine Marktreife erlangt.

Creative musste also etwas tun, um Marktanteile zu verteidigen und kopierte kurzerhand das Konzept der mächtigen „Pro AudioSpectrum„:
Durch den DSP der Version 3.0x konnte die SoundBlaster Pro Stereo Samples abspielen, blieb aber noch zum alten SoundBlaster-Standard kompatibel, auch AdLib-Musik in Mono erklang in gewohnter Qualität, indem beide OPL2 Chips mit den gleichen Signalen gefüttert wurden. Das Feature der Stereo Musik durch das Dual OPL2 Setup wurde leider nur von wenigen Spielen effektiv genutzt – klang dann aber fantastisch. Leider blieb insgesamt die Signalqualität und Sampleklarheit ein gutes Stück hinter der der „Pro Audiospectrum“ zurück. Auch der Hardwaremixer war nicht zu mehr instande als die Masterlautstärke zu ändern.

Die SoundBlaster Pro war die damals teuerste Karte von Creative und wurde auch vom Markt gut angenommen, jedoch führte das mit der heißen Nadel gestrickte Design der Karte zu raschen Überarbeitungen, die in mindestens 7 Revisionen innerhalb von 6 Monaten mündeten. Man könnte etwas böswillig unterstellen, dass die Karte auf dem Rücken der Kunden unausgereift auf den Markt geschmissen wurde, nur um MediaVision etwas entgegenzusetzen.

Hier zu sehen ist wohl die finale Version, hergestellt Anfang 1992. Kurz darauf kam der Nachfolger, der SoundBlaster Pro 2 heraus (Modellreihe CT16xx / CT26xx), der dann schon den vom AdLib GOLD 1000 eingeführten, fortschrittlicheren Yamaha OPL3 Stereo-FM Synthesizer einsetzte.

Durch die sehr kurze Zeit der Marktpräsenz ist die Karte wesentlich seltener als der Nachfolger, der zum Massenseller wurde. Das Verhältnis von SoundBlaster Pro 2 zur Dual OPL2 Variante dürfte einige 1000:1 sein. Diese Tatsache und auch der ganz eigene Charm der Dual OPL2 Konfiguration macht die Karte heute bei Sammlern sehr begehrt.

Zum Abschluß noch zwei weitere Revisionen der Karte, die bereits durch meine Hände liefen:

Wie bereits erwähnt, brachte Creatvie innerhalb weniger Monate mehrere Revisionen der Karte auf den Markt. Zwischen Revision 4 (oben) und Revision 5 (unten) ist z.B. zu erkennen, dass die Goldkontaktleiste überarbeitet wurde und aus Kostengründen nur noch die genutzten Finger an die Leiste herausgeführt wurden. Spätere Revisionen gab es auch mit fest verlöteten OPL2 Chips und DACs, die hier gezeigten Karten haben gesockelte Synthesizer.

Sound Blaster Pro CT1330A Rev 4:
(Serial No. 082449)

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Sound Blaster Pro CT1330A Rev 5:

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Aztech Sound Galaxy BX

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Fast jeder, der sich heute mit Computern der 90er Jahre beschäftigt, wird schon einmal die Bekanntschaft mit einer SoundGalaxy BX II gemacht haben, der kultigen gelben, kurzen 8-Bit Karte mit Volumendrehregler, die dem SoundBlaster in nichts nachstand und dennoch wesentlich günstiger zu haben war.
Doch  kaum einer kennt die Ur-BX, die Begründerin der erfolgreichsten SoundBlaster-Klonekarten. Die Karte von Anfang 1992 ist zwar auch recht kurz, jedoch deutlich länger als ihre Nachfolgerin und setzt altersbedingt auf einen Yamaha OPL2 FM Synthesizer in herkömmlicher Bauform und nicht auf die später eingesetzte, auf OPL3 Größe geschrumpfte SMD-Variante.
Die Karte ist simpel und selbsterklärend: Es gibt Jumper für Adresse, Interrupt und den Gameport – das wars auch schon.
Klanglich rauscht es für heutige (und auch damalige) audiophile Ansprüche ganz erheblich, im direkten Vergleich zum Creative SoundBlaster jedoch keinen Deut mehr, eher etwas weniger. Die Kompatibilität der SoundGalaxy BX ist hervorragend, ich habe kein Spiel gefunden, dass nicht sofort munter und mit typischen OPL2 Charisma losdudelt. Auch die Samplewiedergabe ist nicht zu beanstanden.
Auf zusätzliche Features der großen Schwester SoundGalaxy NX muss man bei der BX verzichten: Sie hat weder ein CD-Interface noch einen virtuellen Parallelport für Disney Sound Source / Covox Speech Thing Emulation, auch der Hardwaremixer fehlt.

Die SoundGalaxy BX ist nicht mehr und nicht weniger als ein sehr guter SoundBlaster-Klon. Heute wie gestern eine tolle Karte für 286 und 386 Computer.

Aztech Sound Galaxy NX

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Die Sound Galaxy NX war die erste Soundkarte von Aztech, einer in Sigapur ansässigen Soundkartenschmiede, die sich auf Klonkarten des ebenfalls in Singapur beheimateten Herstellers der bekannten SoundBlaster-Karten, Creative Technologies, spezialisierte. Um den Kunden im hartumkämpften Segment der Heimcomputer-Soundkarten einen Mehrwert bieten zu können, entsonnen sich die findigen Ingenieure von Aztech zusätzlich zur SoundBlaster- und AdLib-Kompatibilität den sogenannten „Virtuellen Parallelport“, der es ermöglichte, durch Abgreifen der Adressbereiche eine am Druckerport angeschlossene Soundhardware namens „Disney Sound Source“ komplett zu simulieren. Auch dachte man schon bei der allerersten Sound Galaxy NX an ein CD-ROM Interface – für dieses Feature ließ sich Creative noch mehrere Generationen an Soundkarten Zeit.
Klang und Kompatibilität der Sound Galaxy war damals sehr gut, klarer als die Karten von SoundBlaster. Busgeräusche sind in der Soundausgabe wie bei den meisten Karten dieser Zeit mehr oder weniger deutlich hörbar. Auch einen Hardwaremixer hat Aztech der Karte beschert, der TDA7302 Audioprozessor erlaubt präzises Einstellen der Volumina sowie der Höhen und Tiefen.

Creative war der Erfolg, den Aztech mit dieser Karte hatte, mehr als nur ein Dorn im Auge, so dass sie Aztech wegen angeblicher Patentverletzung durch die SoundBlaster-Kompatibilität verklagten. Im Gerichtsverfahren konnte Aztech jedoch nachweisen, dass die Kompatiblität, anders als behauptet, keineswegs durch das Nutzen bestehender patentierter Verfahren erreicht wurde. Die Karte durfte weiterproduziert werden und legte damit den Grundstein für die zweifelsfrei besten SoundBlaster-Klonkarten am Markt.

Die FCC-Id der Aztech Sound Galaxy NX lautet: I38-SGNX01 (nicht 138-SGNX01 wie fälschlicher Weise mancherorts im Internet zu lesen)

Media Vision Thunderboard

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Das Thunderboard von Media Vision war die amerikanische Alternative zum SoundBlaster von Creative und stand mit diesem in direkter Konkurrenz.  Zu einem geringeren Preis konnte man eine Karte anbieten, die in den Abmessungen kompakter war und sich durch einen zentralen DIP-Schalter und einen Jumper für den IRQ deutlich übersichtlicher konfigurieren ließ. Die Kompatibilität und das Featureset entsprach dem des SoundBlasters – Sample und Musikwiedergabe war in Mono möglich. Das Thunderboard hat wie der SoundBlaster von Creative und die SoundGalaxy von Aztech einen originalen OPL2 FM-Synthesizer von Yamaha verbaut und ist daher in der Lage, SoundBlaster- und AbLib- kompatible Musik abzuspielen. Durch einen dynamischen Frequenzfilter konnte die Ausgabequalität rauschärmer gestaltet werden als bei Creatives Soundkarten.

Das Thunderboard wurde auch denjenigen Kunden schmackhaft gemacht, die sich bereits zum Kauf der wesentlich hochwertigeren Flagschiff-Soundkarte „Pro Audio Spectrum“ entschieden hatten. Diese wesentlich professionellere Soundkarte konnte viel, war jedoch nicht zum SoundBlaster-Standard kompatibel. Daher wurde seitens Media Vision beworben, dass man sich zur „Pro Audio Spectrum“ einfach das Thunderboard hinzustecken kann. Mit einem Dipschalter auf dem Thunderboard konnte man boardinternen OPL2 und Joystickport deaktivieren, so dass es bei gleichzeitig gesteckter „Pro Audio Spectrum“ in den Spielen nicht zur musikalischen Doppelbeschallung oder Joystickportinterferenz kam.

Heutzutage besteht keine featuretechnische Notwendigkeit, ein Thunderboard in seinen Retro-Computer zu bauen. Hier in Europa ist das Thunderboard wesentlich seltener anzutreffen als ein SoundBlaster oder eine SoundGalaxy BX II, die im Prinzip alle das Gleiche zu leisten instande sind. Außerdem ist das Thunderboard wie fast alle Soundkarten dieser Zeit schlecht von Busgeräuschen abgeschirmt, was die Ausgabequalität natürlich beeinträchtigt.
Für Sammler jedoch, die gerne alte Computer im authentischen zeitlichen Kontext aufbauen, sammeln oder betreiben stellt das Thunderboard gerade in Hinblick auf die historische Bedeutung für den nordamerikanischen Markt ein Sammlerstück von Wert dar.

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Die FCC-Id des Media Vision Thunderboards lautet: IXW650-0007-01 (650-0007-03-F)

Klangbeispiele vom Yamaha OPL4 Chip mit 2MB ROM (übertragbar auf diverse Soundkarten mit OPL4)

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Der Yamaha OPL4 (YMF278B) ist der Nachfolgechip des beliebten OPL3 FM-Synthesizers (YMF262) aus gleichem Hause. Er erweitert den Funktionsumfang des OPL3 um eine 24-stimmige, samplebasierte Musiksynthese, also um dass, was wir DOS-Spieler als „Wavetable Synthese“ bezeichnen. Der OPL4 beherbergt somit 2 Synthesizer in einem Gehäuse, die theoretisch auch gleichzeitig spielen können. Jedoch machte davon leider kaum jemand Gebrauch. Extern an den OPL4 Chip angeschlossen wurde im Comsumerelektronikbereich grundsätzlich ein 2MB großer ROM (YRW801), der einen hauseigenen Yamaha Soundfont nach General Midi Spezifikation beinhaltet. Der OPL4 sah auch eine direkte Verbindung zu einem Effektprozessor für Reverb- und Chorus vor, dieser wurde aus Kostengründen jedoch auf den meisten Soundkarten nicht verbaut.

Es gab etwa eine Handvoll Hersteller, die Soundkarten mit OPL4 Chip auf den Markt brachten. Von diesen Soundkarten ist ein guter Teil nicht in der Lage, den Wavetableteil des OPL4 unter DOS nutzbar zu machen. Die folgende Liste enthält die mir bekannten OPL4 Karten:

  • Mediatrix Audiotrix Pro (Wavetable + OPL3 FM auch in DOS nutzbar)
  • Logitech Soundman Wave (Wavetable + OPL3 FM auch in DOS nutzbar)
  • Miro Sound PCM1 Pro (kein Wavetable unter DOS, kein Wavetable im DOS-Fenster in Windows)
  • Miro Sound PCM10 (kein Wavetalbe unter DOS, kein Wavetable im DOS-Fenster in Windows)
  • Miro Sound PCM12 (Wavetable + OPL3 FM auch in DOS nutzbar)
  • Miro Sound PCM20 (Wavetable + OPL3 FM auch in DOS nutzbar)
  • Mozart WaveTable (kein Wavetable unter DOS, kein Wavetable im DOS-Fenster in Windows)
  • Yamaha SW20 (Wavetable + OPL3 FM auch in DOS nutzbar)

Die Musikqualität ist insgesamt für einen 2MB großen Soundfont recht gut. Hört man quer durch die Bank, wird man schnell eine im Vergleich zu Roland größere Unausgewogenheit feststellen. Zum Sprung in die Oberklasse fehlt es vor allem einigen Blasinstrumenten und auch dem Klavier an Authentizität. Die Drums hingegen sind opulent und wie die Bassinstrumente druckvoll und wissen zu gefallen, auch die Streicherensembles erfreuen in orchestralen Musikstücken. Insgesamt ein Soundfont, der durchaus seine Reize hat und in DOS-Spielen auf jeden Fall eine Menge Spaß macht!

Die folgenden 21 Klangbeispiele habe ich von einer Miro PCM1 Pro aufgenommen. Da alle oben genannten, klassischen Yamaha OPL4 Soundkarten den gleichen ROM verwenden, sind die Instrumentensamples vergleich- und auch  übertragbar:

Aztech Waverider Pro 32-3D

aztech_waverider_pro_32-3d

Aztech hat sich zu DOS-Zeiten einen exzellenten Ruf erarbeitet. Das Unternehmen bot seinerzeit hervorragende SoundBlaster-, später auch SoundBlaster Pro- Clones an, günstiger als vergleichbare Produkte von Creative und oft mit einem gewissen Mehrwert. Typisch für die SoundBlaster Pro Clones war ein originaler Yamaha OPL3 Chip für beste FM-Musik und ein 16-Bit Codec-Chip, der unter Windows eine 16-Bit Samplewiedergabe ermöglichte. Auf vielen Karten gab es auch einen fehlerfreien Wavetable-Anschluß, der anders als bei Creatives SoundBlaster 16 Karten keine hängenden Noten produzierte.

Mit der Waverider-Reihe erschloß Aztech jedoch Neuland in der Unternehmensgeschichte, denn der Trend hatte sich längst weg von FM-Musik entwickelt, samplebasierte Musikwiedergabe mittels eines Wavetablesynthesizers war in die Mode gekommen, der Qualitätsunterschied war gewaltig. Und so vereinte Aztech seinen tollen SB-Pro Clone mit einem Wavetablesynthesizer auf einer Platine.  Den Anfang der Serie machte der „Waverider 32“, der auf einen ICS Wavefront Synth mit 2MB ROM setzte.  Die hier vorgestellte Karte von 1995 setzt jedoch auf den AZTECH AZT3310 Synth, der allem Anschein nach ein umgelabelter Samsung-Synthesizer ist. Dem Chip steht dabei ein Soundfont mit vermutlich 1MB zur Seite (Im ROM-Chip AZT3311).

Im Gegensatz zum EMU8000 Synthesizer der SoundBlaster AWE32 und der Nachfolgerkarte AWE64 ist der Wavetableteil der Waverider Pro 32 Soundkarte direkt am MPU-401 Interface angeschlossen, so dass „General Midi“ auch bei jedem DOS-Spiel genutzt werden kann.

Der Wavetable klingt der Größe entsprechend für DOS-Spiele völlig brauchbar. Aus der Reihe tanzt wenig, die Drums kommen ein wenig druckvoller als der Rest – an die TOP-Soundfonts von Roland, Yamaha oder Korg reicht die Qualität jedoch bei weitem nicht heran, dafür ist die Qualität der einzelnen Samples nicht hoch genug. Den Instrumenten fehlt durch die Bank leider auch eine gewisse Klarheit, weshalb ich den Verdacht nicht loswerde, dass es sich um 8-bittige Instrumentenaufzeichnungen handeln könnte. Dazu klingen einige Drums blechern oder „tinny“, wie man im anglophonen Sprachraum zu sagen pflegt. Die Übergänge zwischen einzelnen Noten fallen nicht nur aufgrund des fehlenden Effektprozessors deutlich rustikaler aus als bei vielen anderen Wavetables, wodurch zuweilen ein etwas abgehackter Klangeindruck entstehen kann, der bei orchestraler und weicher Musik eher negativ auffällt. Bei rockigen Tracks gestaltet sich dadruch bedingt der Höreindruck deutlich progressiver. Unter dem Strich fällt die Midiqualität gegenüber der originalen „Waverider 32“ Karte  zurück. Zum normalem FM-Sound bleibt der Unterschied jedoch gewaltig.

Die Soundkarte eignet sich vor allem für Retro-Einsteiger, die mit einer einzigen Karte viele Standards abdecken wollen oder erstmal nicht so viel Geld für eine Soundkarte ausgeben wollen. Die Standards SoundBlaster, SoundBlaster Pro und Adlib werden exzellent abgedeckt, FM-Fans werden den echten OPL3 wertschätzen, auch der Wavetable ist für den Anfang passabel und macht in den meisten DOS-Spielen eine gute Figur. Dabei gestaltet sich die Konfiguration der non-PnP Karte sehr einfach.

Die FCC-ID lautet: I38-MMSN847

Wie bei Wavetablekarten üblich gibt es auch vom Waverider Pro 32 3D Originalaufzeichnungen, Track 6 und 8 (Descent bzw. Descent 2) wurden wegen starken Clippings entfernt (das Problem betrifft bis auf Roland Module sehr viele andere Wavetables). Die Aztechkarte reagierte auf den Sysex-Befehl zur Reduktion der Masterlautstärke leider mit einem Absturz. Die übrigen Dateien ließen sich tadellos abspielen und aufzeichnen. Anspieltipps für blecherne Trommeln gibts gleich am Anfang in Doom2 (Track 1), der etwas abgehackte Notenübergang verhilft dem Duke doch zu einem rotzig, rockigen Soundtrack (Track 10).

Turtle Beach HOMAC (Rockwell / Kurzweil) Wavetable Daughterboard, 4MB

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Das Turtle Beach HOMACH Daughterboard wurde einst mit der Profisoundkarte „Pinnacle Studio“ als zweiter Synthesizer der Karte ausgeliefert, um dort den Part der General Midi Kompatibilität zu übernehmen, während der andere Synthesizer sich mit Usersamples füttern ließ. In den Einzelhandel ist die kleine Aufsteckplatine nicht gelangt. Da das Board wie die allermeisten Wavetableboards auf den von Creative Technology 1993 eingeführten WaveBlaster-Standard mit 26-poliger Buchenleiste beruht, lässt es sich auch an allen WaveBlaster-kompatiblen Soundkarten anschließen und betreiben – jedoch nicht ohne ein unüberwindbares Manko, doch dazu später mehr.

Technisch basiert das Board auf dem Rockwell Synthesizer mit 32-stimmiger Polyphonie mit Effektprozessor und einem 2MB ROM, der einen komprimierten, General Midi konformen Soundfont mit 4MB Größe von Kurzweil enthält. Es handelt sich bei dem Soundfont um den gleichen, mit dem Turtle Beach auch auf seine letzte ISA-Karte, die Malibu Surround 64, bestückt hat.

Die Qualität der Samples ist sehr gut, jedoch teilweise mit einer vollkommen anderen Klangcharakteristik als von Roland oder Yamaha gewohnt. Hier erwartet den Hörer der typische und deshalb so berühmte Kurzweilsound im Kleinformat: Die sehr guten Bläser, Streicher und Trommeln sorgen für brachiale Orchestersounds, die auch einen Vergleich mit Branchenprimus Roland nicht scheuen müssen und diesen von der atmosphärischen Dichte noch übertreffen (Anspieltip: Track 18, Track 21). Spielt man mit der Karte Doom, wird man sich zunächst wundern und einige Zeit brauchen um zu merken, dass es doch die gleichen Instrumente sind: Der Kurzweil-Sound schiebt den Rocktrack gehörig in Richtung Industrial – sicher nicht jedermanns Sache aber sicher auch einzigartig in der Landschaft der Wavetablesounds.
Im direkten Vergleich mit der Malibu Surround 64 Soundkarte mit gleichem Soundfont aber ohne Effektprozessor stelle ich keine allzugroßen Unterschiede fest. Die Malibu 64 verfügt über einen (per default sehr großzügig eingestellten) Software-Reverb, der meiner Meinung nach qualitativ (nicht quantitativ) besser klingt als die äußerst sparsamen Reverbeffekte des HOMAC-Moduls, die zudem bei einigen Samples für einen unangenehmen Instrumentenausklang während der RELEASE-Phase sorgt. Bei den Streichergruppen hilft dem Daughterboard zudem der Choruseffekt ein wenig, jedoch klingt das Modul auch in diesem Bereich ein wenig undynamisch.

Diese Feinheiten wären aufgrund der sehr guten Samples zu vernachlässigen, gäbe es nicht ein viel größeres Problem: Das Turtle Beach HOMAC Modul hat einen derart geringen Signalpegel, dass es fast unmöglich ist, die Musik mit vernünftiger Lautstärke aufzuzeichnen, ohne durch höhere Verstärkung ein permanentes Grundrauschen mitaufzunehmen. Ob das Problem auch auftritt, wenn das Daughterboard auf der Pinnacle Studio Soundkarte steckt oder diese evtl. einen Verstärkerschaltkreis direkt hinter dem Eingang des Signals hat, kann ich in Ermangelung dieser Karte leider weder bestätigen noch dementieren. Zunächst dachte ich noch an eine Unzulänglichkeit meiner bisher stets tadellosen Aufnahmekarte (Terratec XFire 1024), musste dann aber feststellen, dass auch andere Karten, die ich probiert habe (SoundBlaster AWE32, EWS64XL, Terratec Gold16/96), das Problem nicht lösen konnten. Bereits auf DOS-Ebene mit dem altbekannten GSPLAY-Midiabspieler klang das Turtle Beach HOMAC Daughterboard leider sehr sehr leise. Das lässt sich bei Spielen natürlich mit einem hochwertigen Verstärker noch relativ rauschfrei kompensieren. Für Wavetablerecordings, bei denen das Ziel sein sollte, das Signal des Moduls so unverfälscht und damit so authentisch wie möglich aufzuzeichnen, ist ein derart leises Modul ein Graus. So blieb mir nichts anderes übrig, als die Aufzeichnungen mit normalem, also beim HOMAC sehr leisen Pegel aufzuzeichnen und dann mit meiner Postprocessingsoftware auf der Floating Point 32-Bit Ebene das Verstärkerplugin zu verwenden und dann zu normalisieren. Herausgekommen sind hörbare Tracks, die jedoch nach wie vor deutlich leiser sind als alle anderen Module, die ich jemals aufgezeichnet habe.

Um das Dilemma zu verdeutlichen ist in der nachfolgenden Abbildung ganz oben als Referenz ein Track dargestellt, der mit der Turtle Beach Tropez Plus Soundkarte aufgezeichnet wurde; in diesem Bereich liegen alle mir bekannten Module und Soundkarten, Abweichungen von max. 20% davon sind je nach Modul normal. Unter dem Referenztrack ist der bereits verstärkte Track des HOMAC-Moduls, darunter der unverstärkte Orignalpegel des Moduls:

homac_output_problem

An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an meinen niederländischen Wavetablefreund Chiel Kersten, der mir dieses Modul auf Vertrauensbasis ausgeliehen hat. Chiel sammelt Wavetablemodule und hat auf seiner Homepage so manchen Exot abgelichtet: Wavetable Homepage von Chiel.

Last but not least möchte ich die Aufnahmen natürlich nicht für mich behalten. Das Modul ist defintiv hörenswert. Star Wars und auch Warcraft 2 gefallen mir außerordentlich gut mit dem Kurzweil Soundfont:

[ti_audio name=“Turtle Beach HOMAC“]

 

Dreamblaster Synth S1 (Dream SAM2195) Wavetable Daughterboard, 0.5MB

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Mit dem „Dreamblaster“ erreicht dieses Jahr (2014) ein brandneues Wavetablemodul den Markt. „Wie brandneu, der Standard ist doch schon Jahre lang veraltet ?!“ mögen Sie sich fragen. Ja, ist er auch, was den belgischen Entwickler Serge Defever nicht davon abgehalten hat, für experimentelle Zwecke ein zum Waveblaster-Standard kompatibles Daughterboard zu designen und schließlich zur Marktreife zu bringen und zu verkaufen.

Das Herzstück des mit 35x34mm winzigen Moduls ist der hochintegrierte SAM2195 Wavetablesynthesizer Chip der altbekannten französischen Synthesizerschmide Dream. Syntheziser, Effektprozessor und Instrumentenspeicher sind auf den kleinfingernagelgroßen BGA-IC beherbergt. Durch die Abmessungen eignet sich das Modul auch zum Aufstecken auf Soundkarten, die keine Fullsizemodule wie von Yamaha, Roland oder Korg aufnehmen können.

dreamblaster_synth_s1_media_vision_korg_daughterboard_size_comparison

Laut Datenblatt findet sich im 0.5MB großen ROM der altbekannte Cleanwave-Soundfont, den es schon seit den 1990er Jahren in Modulen von 1MB – 4MB Größe gab. Jedoch scheint das hier verwendete Cleanwave-Sampleset bis auf den Namen nichts mit dem alten gemein zu haben, der Klang ist vollkommen anders. Über mittelmäßig bis teilweise sehr schwach klingende Instrumentensamples wurde nicht am Einsatz von Reverb- und Choruseffekten gespart, so dass sich manche Unzulänglichkeit in einer dahinplätschernden Harmonie getrost überhören lässt. Betrachtet man die einzelnen Instrumentengruppen für sich, wird schnell deutlich, dass es auch im Jahre 2014 nicht möglich ist (komprimierte?) Samples in hoher Qualität auf 0.5MB ROM zu quetschen. Zwar hat das Modul einen durchaus knackigen Antritt mit seinen druckvollen Drums und guter Bassausgabe, die Bläser klingen aber wie diverse Streichergruppen deutlich synthetischer als auf den meisten anderen Modulen, die ich bisher gehört habe. Zupfinstrumente wie die Harfe sind zum Davonlaufen. Jedoch haben es die Sounddesigner geschafft, die Samples sehr harmonisch aufeinander abzustimmen, so dass dem unbedarften Hörer vielleicht erst einmal gar nicht auffällt, dass die Instrumente gar nicht klingen wie sie eigentlich sollten. Absolut positiv hervorzuheben ist der gute Signalpegel – das Modul ist laut und dabei gleichzeitig sehr rauscharm.

Soll ich dieses Modul für 29,95 Euro versandkostenfrei aus Belgien nun zum Kauf empfehlen? Es fällt mir schwer!
Zwar bewerte ich den Vorstoß, ein neues Modul zu entwickeln als sehr positiv, aber die Qualität ist insgesamt vor allem aufgrund der geringen ROM-Größe von heutzutage geradezu lächerlich anmutenden 0.5MB weit unterhalb der in den 1990er Jahren üblichen Klangtreue angesiedelt.

Durch die stimmigen Effekte, die permanent deutlich wahrnehmbar über den Instrumenten schweben, eignet sich das Modul trotzdem fürs „Easy Listening“ und somit für alle, die geeignete DOS-Spiele mit besserer Musikuntermalung als OPL3 FM-Musik genießen wollen, aber die Investition in teilweise deutlich teurere Wavetablemodule (vielleicht vorerst) noch scheuen. Wer keinen großen Wert auf authentisch klingende Instrumente legt, kann mit diesem Modul durchaus zufriedengestellt werden, auch wenn das dem eigentlichen Sinn eines Wavtablemoduls, instrumententreue Musikwiedergabe zu ermöglichen, zuwiderläuft – zu sehr vertuschen die starken Effekte die schwachen Samples.

Andererseits könnten die knapp 30 Euro z.B. auch in eine gebrauchte SoundBlaster AWE64 Soundkarte investiert werden, die sich momentan in der gleichen Preisklasse wie dieses Modul befindet. Die AWE Soundkarte bietet mit seinem 1MB Soundfont im ROM eine höhere Samplequalität mit weitaus realistischer klingenden Instrumenten und ist als All-in-One Lösung durch die überragende Kompatibilität und Kompetenz als Stand-Alone-Soundkarte vielseitiger einsetzbar als dieses Aufsteckmodul und für Einsteiger im DOS-Retro-Gaming sicher eine bessere Investition.

Wie immer habe ich meine 21 Standardmusikstücke auch mit diesem Modul aufgezeichnet. Viel Spaß beim Reinhören:

Terratec WaveSystem SCW001/2 (Dream SAM9203) Wavetable Daughterboard, 2MB

terratec_wavesystem_scw001-2_wavetable_daughterboard_2mb_rom

Das WaveSystem SCW001/2 mit 2MB Sample-ROM war damals das Board im Sandwich zwischen dem Mini WaveSystem mit 1MB und dem Professional WaveSystem mit 4MB ROM.  Entsprechend liegt die Qualität zwischen beiden Boards. Die Instrumentensamples scheinen teilweise dem Roland Sound Canvas „entliehen“ zu sein, jedoch nicht durchweg, so dass Terratec auch Samples aus mindestens einem weiteren Soundfont in den ROM packte. Heraus kommt ein teilweise unharmonisches Klangerlebnis, das Modul ohne Effektprozessor klingt zuweilen etwas ruppig, aber durchaus druckvoll.
Unter dem Strich verpasst das Board durch seine partielle Unausgewogenheit den Sprung in die Oberklasse, schlecht klingt es jedoch keineswegs. Die Qualität der Samples, insbesondere der Streicher und Drums ist dabei hörbar deutlich besser als bei den Mini WaveSystemen mit 1MB ROM.

Relevante Chips auf der Platine:

  • Crystal 9333 Dream SAM 9203 Synthesizer
  • Crystal CS4110-CS 9401NB01X6 ROM Chip (16 MBit)

Features / Technische Daten:

  • 315 Klänge auf 16MBit / 2MB ROM
  • 8 Drumkits mit 122 Drums
  • 32 Stimmen Polyphonie
  • 16facher MIDI-Multimode (16 Part Multitrimbral)
  • Neueste DCC DAC Technologie
  • Sound in CD-Qualität
  • General Midi (GM) kompatibel
  • General Standard (GS) Elemente (65 Varianten)
  • Roland MT32 Emulation durch Patch-Mapping
  • PCM Wave Synthesis (Sampling) und algorithmische Synthese zur Stereo-Wiedergabe der Sounds
  • 44.1 kHz Sampling Rate
  • Frequenzgang 20 Hz – 20.000Hz

Auch von diesem Modul habe ich 21 Miditracks aufgezeichnet, wie man hört hat auch der SAM9203 seine Probleme mit dem Descent 2 Soundtrack, bei dem am Anfang fälschlicherweise ein Klavier ertönt.