FIC PA-2002 Motherboard (VIA Apollo Master) Socket 7

Das FIC PA-2002, basierend auf dem VIA Apollo Master Chipsatz, ist ein besonderes Motherboard für Sockel 7 CPU’s. Featuretechnisch braucht es sich nicht hinter dem Intel Triton (FX) Chipsatz zu verstecken, auch die Performance kann sich sehen lassen. Gegenüber den Boards mit Intel-Chipsätzen bietet es ein Alleinstellungsmerkmal: Anstatt mit der üblichen paarweisen Speicherbestückung kann das PA-2002 mit nur einem einzigen Speichermodul betrieben werden. Aus heutiger Sicht toll ist auch die Möglichkeit, den Rechner von einer CD zu starten, diese Option bieten nur sehr wenige Boards dieser Zeit. Außerdem wird zum speichern der BIOS-Einstellungen eine handelsübliche Knopfzelle (CR2032) als Alternative zum damals teureren Echtzeitmodul mit eingekapselter Batterie verwendet, was den Austausch erheblich erleichtert bzw. günstiger macht.

Das Layout des sattgrünen Boards ist schnörkellos und klar und bietet mit 3×16-Bit ISA und 4x32Bit PCI-Steckplätzen Platz für so manche Erweiterung. Sehr lange PCI-Karten wie z.B. Videoschnittkarten oder Videodecoderkarten lassen sich problemlos nutzen, allerdings kann man nur eine lange ISA-Karte wie z.B. den SoundBlaster AWE32 oder Gravis UltraSound stecken (entschuldigen Sie bitte, dass ich beide Karten in einem Satz nenne..), da ansonsten der CPU-Sockel im Weg ist. Multi I/O und 2 IDE Interfaces und Floppyanschluß sind ebenfalls on Board, die Jumpereinstellungen sind allesamt aufgedruckt. Auffallend ist die Wertigkeit, die das Board vermittelt. Die Platine ist dick, die SMD-Bestückung wirkt sehr hochwertig, man sparte erfreulicher Weise nicht an der Fertigungsqualität. Aufgrund des Alters des Boards (Marktreife Anfang 1996) ist es für den Intel Pentium (P54C – also Single-Voltage mit 3,38 Volt bzw. 3,56 Volt ) ausgelegt und unterstützt von Haus aus keine CPU’s mit Split-Voltage / Dual-Voltage. Per BIOS-Update kam später noch der Support für den AMD K5 und den 6×86 von Cyrix hinzu. So muss man auf modernere Features wie MMX und 3Dnow! verzichten. Muss man wirklich?

Nein! Man kann – wie bei allen anderen Sockel 5/7 Boards auch – problemlos den IDT x86 Prozessor der zweiten Generation einsetzen (international als IDT Winchip 2 vermarktet, aufgrund eines Markenrechtsstreits in Deutschland jedoch nur mit dem Codenamen „W2A“ bezeichnet), der neben einem Takt von 200-250MHz auch die Multimediaerweiterung MMX von Intel und -viel wichtiger- auch eine Variante des 3Dnow! Befehlssatzes von AMD mitbringt. Diese Version „W2A“ ist übrigens nicht zu verwechseln mit der ursprünglich als „Winchip“ auf den Markt gebrachten ersten Generation, der Version „C6“, deren Integerleistung für DOS und Windows zwar recht ordentlich ausfiel, dafür aber eine verheerend langsame Fließkommaeinheit mitbrachte. Die neue Version wurde vollkommen überarbeitet und bietet eine FPU-Leistung auf K6-Niveau. Damit empfiehlt sich der „W2A“ für den Retro-Freund mit dem Hang zu exotischer Hardware hervorragend für einen Spielerechner, auf dem die späten DOS-Spiele aber auch Windows95-Spiele laufen sollen, welche zusehens nach mehr FPU-Leistung verlangten. Alternativ steht mit dem Intel Pentium 200 die heute wesentlich besser und günstiger verfügbare Variante bereit (damals, als die Hardware aktuell war, war es natürlich genau umgekehrt, da kostete die Intel CPU wesentlich mehr als der IDT). Diese CPU bietet die stärkste Fließkommaleistung, hat aber kein MMX (was angesichts der daraus Nutzen ziehenden Anwendungen verschmerzbar ist) und muss ohne 3Dnow! auskommen, was in angepassten Spielen schon ins Gewicht fällt.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das PA-2002 mit dem Apollo Master Chipsatz einen wichtigen Meilenstein für VIA darstellt. Hier wurde Anschluß an die schier übermächtige Intel-Konkurrenz gefunden und gleichzeitig die Grundlage für den tollen Highend-Chipsatz MVP3 gelegt. Andere Firmen, die zu 486er Zeiten noch mit Ihren Chipsätzen überzeugten, wie z.B OPTi und UMC, überstanden mit ihren Produkten den Sprung in die nächste Generation nicht und mussten das (Chipsatz-)Geschäft aufgeben.

Das FIC-Board ist schnell und stabil und war damals günstiger als die Konkurrenz, weshalb sich unter anderem auch die deutsche Vobis-Kette entschied, dieses Board in ihrer „Highscreen“-Reihe zu verbauen, in deren Rechnern es sich tausendfach bewährte.

7 Gedanken zu „FIC PA-2002 Motherboard (VIA Apollo Master) Socket 7

  • 5. Januar 2018 um 15:54
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    Hallo, kann mir jemand sagen ob das Board auch ohne cache module läuft? Mein board bleibt immer im C6 hängen. Vermutlich geht mein cache nicht.

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    • 3. Februar 2018 um 15:35
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      Das Board funktioniert auch ohne Cachemodul, dann natürlich mit erheblichen Abstrichen in der Speicherperformance. Ich empfehle 512KB Cacheausbau.

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  • 28. September 2015 um 18:21
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    Mein erster Rechner – damals vom Jugendweihegeld gekauft – war ein Escom-PC vom April 1996. Drin war neben einem Pentium 100, 8MB RAM und einer mich damals ständig nervenden Tseng ET4000 auch das PA-2002. Das gute Stück hat bei mir alles auf den Weg gebracht … 🙂

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  • 7. September 2013 um 18:35
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    Hi Fabian,

    ich habe hier ein PA-2002 (DOC 14660) im aparten bronze-braun mit einem COAST-Modul PBS-256. Weisst Du zufällig mit welchen Parametern ich eine Fujitsu M1614TAU auf diesem Board betreiben muss? Die, die Fujitsu angibt funktionieren nicht. Ich erinnere mich dunkel, dass seinerzeit das Problem mit HDDs größer als 520 MB bestand.

    BTW: Vielleicht solltest Du noch erwähnen, dass das Board trotz Single-Modul-Betrieb die Module auch in Bänken betreibt?

    Antwort
  • 5. September 2013 um 15:42
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    Du solltest hier auch das COAST-Modul (Cache) erwähnen und am besten auch gleich verlinken. Welches hast du, mit welcher Größe?

    Ich hab vom Gegenstück Intel-FX ein (afair) 512kb COAST. Glaubst du das war genormter Standard und ich könnte es hier auch im FIC betreiben?

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  • 27. Januar 2012 um 14:17
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    This is an incredible CPU! I did not know that this plain „IDT“-labeled version exists. Must be really rare! May I ask you if you sell this wonderful CPU to me? Would give you 60€ plus shipping (scandinavia) for the CPU only. But the PA-2002 is a great mobo, too. I own the sucsessor, the PA-2005 but it’s a pity it doesn’t accept my long Maxi Sound 64 because the CPU socket and heatsink of the voltage regulator block the way. I write you an email very soon.

    Keep up the great work!

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    • 28. Januar 2012 um 12:45
      Permalink

      Hello Amiga,
      thanks for your comment. I’m sorry, but I’m not interested to sell this CPU. It works like a charm in my new DOS retro-rig and I just have this single one so it stays in my collection. Please note that this comment-system on AmoRetro.de is no platform for negotiations and no flee-market. It’s just for hardware related discussion. If you want to buy something from my collection, please write me a mail to admin [at] amoretro.de .
      Regarding the PA-2005 and your Maxi Sound 64.. Maybe you wanna change the board and switch over to the PA-2002 ? I’m sure it appers on ebay from time to time. Or if you want to stick with the 580VP Chipset you could take a closer look at the FIC VT-501.

      Best Regards
      Fabian

      Antwort

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