Datenbank

Aztech Waverider Pro 32-3D

aztech_waverider_pro_32-3d

Aztech hat sich zu DOS-Zeiten einen exzellenten Ruf erarbeitet. Das Unternehmen bot seinerzeit hervorragende SoundBlaster-, später auch SoundBlaster Pro- Clones an, günstiger als vergleichbare Produkte von Creative und oft mit einem gewissen Mehrwert. Typisch für die SoundBlaster Pro Clones war ein originaler Yamaha OPL3 Chip für beste FM-Musik und ein 16-Bit Codec-Chip, der unter Windows eine 16-Bit Samplewiedergabe ermöglichte. Auf vielen Karten gab es auch einen fehlerfreien Wavetable-Anschluß, der anders als bei Creatives SoundBlaster 16 Karten keine hängenden Noten produzierte.

Mit der Waverider-Reihe erschloß Aztech jedoch Neuland in der Unternehmensgeschichte, denn der Trend hatte sich längst weg von FM-Musik entwickelt, samplebasierte Musikwiedergabe mittels eines Wavetablesynthesizers war in die Mode gekommen, der Qualitätsunterschied war gewaltig. Und so vereinte Aztech seinen tollen SB-Pro Clone mit einem Wavetablesynthesizer auf einer Platine.  Den Anfang der Serie machte der „Waverider 32“, der auf einen ICS Wavefront Synth mit 2MB ROM setzte.  Die hier vorgestellte Karte von 1995 setzt jedoch auf den AZTECH AZT3310 Synth, der allem Anschein nach ein umgelabelter Samsung-Synthesizer ist. Dem Chip steht dabei ein Soundfont mit vermutlich 1MB zur Seite (Im ROM-Chip AZT3311).

Im Gegensatz zum EMU8000 Synthesizer der SoundBlaster AWE32 und der Nachfolgerkarte AWE64 ist der Wavetableteil der Waverider Pro 32 Soundkarte direkt am MPU-401 Interface angeschlossen, so dass „General Midi“ auch bei jedem DOS-Spiel genutzt werden kann.

Der Wavetable klingt der Größe entsprechend für DOS-Spiele völlig brauchbar. Aus der Reihe tanzt wenig, die Drums kommen ein wenig druckvoller als der Rest – an die TOP-Soundfonts von Roland, Yamaha oder Korg reicht die Qualität jedoch bei weitem nicht heran, dafür ist die Qualität der einzelnen Samples nicht hoch genug. Den Instrumenten fehlt durch die Bank leider auch eine gewisse Klarheit, weshalb ich den Verdacht nicht loswerde, dass es sich um 8-bittige Instrumentenaufzeichnungen handeln könnte. Dazu klingen einige Drums blechern oder „tinny“, wie man im anglophonen Sprachraum zu sagen pflegt. Die Übergänge zwischen einzelnen Noten fallen nicht nur aufgrund des fehlenden Effektprozessors deutlich rustikaler aus als bei vielen anderen Wavetables, wodurch zuweilen ein etwas abgehackter Klangeindruck entstehen kann, der bei orchestraler und weicher Musik eher negativ auffällt. Bei rockigen Tracks gestaltet sich dadruch bedingt der Höreindruck deutlich progressiver. Unter dem Strich fällt die Midiqualität gegenüber der originalen „Waverider 32“ Karte  zurück. Zum normalem FM-Sound bleibt der Unterschied jedoch gewaltig.

Die Soundkarte eignet sich vor allem für Retro-Einsteiger, die mit einer einzigen Karte viele Standards abdecken wollen oder erstmal nicht so viel Geld für eine Soundkarte ausgeben wollen. Die Standards SoundBlaster, SoundBlaster Pro und Adlib werden exzellent abgedeckt, FM-Fans werden den echten OPL3 wertschätzen, auch der Wavetable ist für den Anfang passabel und macht in den meisten DOS-Spielen eine gute Figur. Dabei gestaltet sich die Konfiguration der non-PnP Karte sehr einfach.

Die FCC-ID lautet: I38-MMSN847

Wie bei Wavetablekarten üblich gibt es auch vom Waverider Pro 32 3D Originalaufzeichnungen, Track 6 und 8 (Descent bzw. Descent 2) wurden wegen starken Clippings entfernt (das Problem betrifft bis auf Roland Module sehr viele andere Wavetables). Die Aztechkarte reagierte auf den Sysex-Befehl zur Reduktion der Masterlautstärke leider mit einem Absturz. Die übrigen Dateien ließen sich tadellos abspielen und aufzeichnen. Anspieltipps für blecherne Trommeln gibts gleich am Anfang in Doom2 (Track 1), der etwas abgehackte Notenübergang verhilft dem Duke doch zu einem rotzig, rockigen Soundtrack (Track 10).

3 Kommentare zu Aztech Waverider Pro 32-3D

  • Valnar

    Schade, dass es die Karte nicht mehr so oft gibt…

    • FGB

      Ich denke eBay-Bedientipps erübrigen sich hier. Jeder, der eine Karte sucht wird, Verfügbarkeit vorausgesetzt, in der Lage sein, sich das entsprechende Angebot herauszusuchen.

  • Jürgen Simons

    Eine wirklich tolle Soundkarte. Ich habe meine schon seit 1996 und jetzt seit 5 Jahren in meiner DOS-Mühle am laufen. Ich finde General Midi klingt damit wesentlich besser als die AWE64 Gold, wenn man „AWE32“ im Musikmenü einstellt. Gerade bei TIE-Fighter (mein Lieblingsspiel) ist der Unterschied gut zu hören. Auch die Gitarren in Doom klingen besser als mit der AWE.

    Schöne Website mit tollen Bildern, bitte weitermachen!

Hinterlasse einen Kommentar

 

 

 

Du kannst diese HTML tags benutzen

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>