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Alaris Leopard Rev. C VLB / ISA Motherboard mit OPTi 295 Chipsatz und IBM 486 SLC2 66MHz CPU + SLC 33MHz FPU

Das von IBM designte Alaris Leopard ist ein Motherboard, dass seinesgleichen sucht. Es stellt scheinbar spielend technische Widersprüche vom Kopf auf die Füße und weiß im Retro-Computer trotz gravierender Nachteile durchaus zu gefallen.

Beim ersten Betrachten der sehr hochwertig verarbeiteten Platine fragt sich vielleicht der ein oder andere, wo denn der Prozessor abgeblieben ist. Die Antwort ist einfach und macht vielleicht stutzig, denn der Prozessor befindet sich unter dem winzig kleinen Kühlkörper, direkt unter dem OPTi 295 Singlechip. Es handelt dabei um den IBM 486SLC2 mit 66MHz. Dieser ist im Grunde ein Intel 386SX mit 486er Befehlssatzerweiterung, satten 16KB Cache und interner Taktverdoppelung. Der 386SX ist wiederum ein 386er, der zwar intern in 32-Bit rechnet, aber wie der 286er an einem 16-Bit schmalen Datenbus hängt.  Das erlaubt ein vergleichsweise leiterbahnenarmes und dadurch kosteneffektives Design des Chipsatzes und der Hauptplatine. Links neben dem Prozessor befindet sich ein ULSI SX /SLC Coprozessor für Fließkommaberechnungen. Der Coprozessor läuft mit 33MHz Bustakt.

Das Board hat trotz seiner Kompaktheit 8 Slots für Erweiterungssteckkarten, zwei von ihnen haben die von 486er bekannte Vesa Local Bus (VLB) – Extension.
Wie IBM es geschafft hat, die 32-Bit Extension an einen Prozessor anzubinden, der nur einen 16-Bit breiten Datenbus hat, kann ich nicht abschließend sagen. Entweder werden die Daten in 16-Bit Happen aufgesplittet oder das Board macht sich den 16-Bit Modus des VLB Busses zu Nutzen.

Das Motherboard hat ansonsten noch zwei Zusatzcachesockel, mit denen der 64KB große Onboardcache auf immerhin 128KB erweitert werden kann. 4x 30-polige Standardsimmslots nehmen bis zu 16MB Speicher auf. Wie bei 286er und 386SX Boards üblich, reichen 2 der 8-bittigen Module zum Betrieb. Abgebildet ist eine Bestückung mit 4x 4MB Modulen mit Partity von Kingston.

Die Prozessorleistung ist erstaunlich hoch. Sie liegt deutlich oberhalb der eines 486DX/40MHz. Auch von Vesa Local Bus Grafikkarten kann das System profitieren, es erreicht mit 34,4 frames/s in 3DBench 1.0 ein Ergebnis deutlich im 486er Territorium. Doom bleibt mit 16,6 frames/s nur knapp hinter einem 486DX2/66 mit schneller ISA-Grafikkarte zurück.

Anders sieht es jedoch bei der Speicherleistung aus. Während der SLC2 Prozessor eine gute L1 Cacheperformance von 35,1MB/s erreicht und der L2 Cache immerhin noch 18,8MB/s schaufeln kann, fällt der reale Speicherdurchsatz auf magere 8,8MB/s ab – das ist das Niveau eines schnellen 286ers.

Zusammenfassend lässt sich ohne Zweifel festhalten, dass das Alaris  Leopard Motherboard mit verlöteter 486SLC2 CPU schon Spaß macht. Mit dem exotischen System kann sowohl gespielt und gearbeitet werden und die VLB-Implementation läuft erstaunlich störungsunanfällig. Hätte ich dieses Board jedoch als damals aktuelle Plattform gekauft, käme ich wohl nicht umhin, mich verschaukelt zu fühlen, denn ein „echter“ 486er mit 66MHz mit VLB-Grafik zieht Kreise um die Alaris Hardware.

Das Leopard Rev. C Board wurde auch mit 50MHz CPU verkauft, die Performance der kleineren Version fällt deutlich geringer aus.

Hinweis: Heute sind fast alle dieser seltenen Boards zerstört, da die Serie der verbauten Varta-Tonnenakkus scheinbar noch häufiger ausläuft und die Leiterbahnen zerfrisst, als dies seine zahlreichen Kollegen auf anderen Boards tun. Im hier gezeigten Zustand kann die Platine, die meine Sammlung erst dieses Jahr (2017) erreichte,  ohne Übertreibung als wahrer Glücksfund bezeichnet werden.

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