Terratec Maestro 32/96 Ver. 1.0 – Wavetable Soundkarte, ISA

Auf AmoRetro.de finden Freundinnen und Freunde des gepflegten Retro-Gamings zahllose Hardwareexponate, darunter fast 100 Soundkarten. Die hier vorgestellte Terratec Maestro 32/96 ist für mich eine der besten Allround-Soundkarten und damit eine meiner TOP-Empfehlungen für Menschen, die sich einen Computer für DOS-Gaming bauen oder anschaffen wollen.
Als Weiterentwicklung der Ur- Maestro 32 bietet die Karte neben einem glasklaren und rauscharmen Crystal CS4232-Codec, der die Soundstandards SoundBlaster, SoundBlaster Pro und Windows Sound System bereitstellt auch einen dream SAM9233-basierten Wavetablesynthisizer mit Effektprozessor mit 4MB ROM.  Statt eines Yamaha OPL3 Chips wie auf der Maestro 32 sorgt in der Maestro 32/96 ein im SAM9233 integrierter OPL3-Nachbau für durchaus brauchbare OPL3- und AdLib FM Musik in allen Spielen, die keine Wavetablemusik unterstützen. Durch die Durchleitung der FM-Musik durch den dream SAM8905 Effektprozessor wird der Musik ein wenig Reverb verliehen, was sie lebendiger macht.
FM-Puristen mögen beklagen, dass die Musik nicht 1:1 nach Yamaha OPL2 / OPL3 klingt, was auch stimmt. Daher ist die Karte für Spiele vor 1993 nicht für jeden die erste Wahl.

Was die Karte so besonders macht ist die erstklassige Wavetablemusik, die bei allen DOS-Spielen mit „General Midi“-Unterstützung ausgewählt werden kann. Die Maestro 32/96 hat zwei hardwareseitige MPU-401 Interfaces, an einem davon ist onboard ein vollständiger Wavetablesynthesizer angeschlossen. Im ROM-Speicher der Karte befindet sich die berühmte „Roland Sound Canvas“-Soundbank. Dadurch bietet die Karte eine Musikqualität auf höchstem Niveau. Die Unterschiede zu den wesentlich teureren Roland Produkten wie dem SC-55 Soundmodul oder der SCB-15 Wavetablekarte sind für den Laien kaum heraushörbar, aber vorhanden, da Terratec den Effektprozessor auf der Maestro 32/96  etwas sparsamer eingestellt hat als Roland auf seinen Produkten. Dadurch ergibt sich ein geringerer Nachhall (Reverb) der Instrumente. Es gibt durchaus Menschen, die weniger Hall als besser empfinden, da dadurch die gespielten Instrumente natürlicher klingen. Letztlich bleibt es aber Geschmacksache, welche Effektabmischung bevorzugt wird.

Ein weiterer Clou der Karte ist das bereits erwähte, zweite MPU-401 Interface. Dadurch ist es möglich, z.B. einen weiteren Wavetablesynthesizer zu benutzen und somit auf der gleichen Karte zwei unabhängige Wavetables zu betreiben. Unter DOS lässt sich dann für jedes MPU-401 Interface eine eigene Adresse festlegen, z.B. 330h für den internen Synthesizer und 300h für den zusätzlichen. In vielen Spielen kann im Setup durch die Auswahl der Adresse dann das eine oder das andere Interface angewählt werden.

Den Oberklasseanspruch stellt Terratec auch in der Konfiguration unter Beweis: Die Adressen werden nicht jegumpert, sondern bequem mit einem Konfigurationsprogramm direkt ins EEPROM der Karte geschrieben – diese sind dann auch nach einem Reset des Rechners dauerhaft gespeichert. So kann man Adresskonflikte kinderleicht beheben und hat stets die aktuellen Einstellungen im Blick. Gute Mixer für DOS- und Windows gehören natürlich ebenso dazu. Die Karte benötigt keine Treiber für DOS, eine Initialisierung reicht vollkommen aus. Unmittelbar danach stehen die oben erwähnten Soundstandards zur Verfügung. Unterm Strich eine tolle, unkomplizierte und leistungsfähige Wavetablesoundkarte.

Einen Hardwarebug möchte ich an dieser Stelle erwähnen. Dieser tritt bei einem Warmstart in vielen Systemen mit mehr als 166MHz auf und führt dazu, dass sich der Rechner beim PnP-Devicelisting aufhängt. Dieser Bug ist nur mit dem Lötkolben zu beheben, indem man den Kondensator C58 durch einen mit 16V und 1µF Kapazität ersetzt. Bei älteren Systemen tritt dieser Fehler nicht auf. Als vorbildlich ist hier der Terratec-Support zu bezeichnen, der seine Kunden nicht hängen ließ und nach Bekanntwerden des Bugs eine Umbauanleitung für die Karten außerhalb der Garantiezeit veröffentlichte. Dieser Plan ist noch heute online auf dem Terratec-Server zu finden. Für jemanden, der Löten kann eine Sache von 5 Minuten (inkl. Vorwärmzeit des Lötkolbens 😉 ).

Aufgrund der enormen Beliebtheit darf an dieser Stelle auch ein (unvollständiges) Funktionsdiagramm zur Karte nicht fehlen. Ein Klick auf die Grafik öffnet das Bild in HD-Auflösung.

m3296Bald werden an dieser Stelle auch Klangproben zu hören sein, diese werden derzeit noch überarbeitet.

[ti_audio name=“Terratec Maestro 32/96″]

 

10 Gedanken zu „Terratec Maestro 32/96 Ver. 1.0 – Wavetable Soundkarte, ISA

  • 17. September 2014 um 15:01
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    I bought this card a few weeks ago and must say: This is top notch quality!! The quality of the output is very clear, no noise, nothing – I like it very much!

    I also have a more expensive Roland sound card which sounds exactly the same. All the instruments are the same. But the Roland sound card is midi only, so you need another sound card in the computer to play the digital samples like speech, effects, etc. And of course one has to connect the Roland card to the other card which isn’t the most convenient thing when you are new to retro gaming or don’t want to play around with several sound cards in one system.

    Is there any chance that you update the recordings to the new 21 tracks playlist?

    Greetings, Michael

    Antwort
  • 19. Mai 2014 um 22:36
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    Hallo…

    Die Aufnahmen von Descent klingen sehr falsch (Klavier an einer Stelle, wo eigentlich etwas anderes spielen sollte). Hätte die Karte da evtl. einen GM-Reset gebraucht?

    Ansonsten klingt das sehr gut, recht ähnlich wie die EWS64 mit der gleichen Soundbank.

    Antwort
    • 12. Juni 2014 um 13:29
      Permalink

      Ja Captain, die Aufnahmen klingen mit der M32/96 genau so falsch wie mit dem GSWave. Einen GM-Reset macht mein Player automatisch nach jedem Track. Aber es ist lange her – ich werde die M32/96 auch durch den neuen Aufnahmeparcour jagen und nochmal genau drauf achten. Vielleicht hatte ich die Einstellung auch schlicht vergessen.

      Antwort
  • 22. März 2014 um 00:25
    Permalink

    I have acquired this sound card a few days ago.
    When i insert it into my PC it is not detected. Terratec -S reports no sound card detected.
    The sound card looks brand new, no damage to PCB anywhere. What could be the problem?

    Antwort
    • 12. Juni 2014 um 13:31
      Permalink

      It is maybe a faulty Flash-ROM. Or any other problem.
      If you provide more information about the computer (motherboard model and CPU and speed rating) I could help you better.

      Antwort
  • 24. Mai 2013 um 16:00
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    Hi,
    schicke Seite! Die Maestro hatte ich damals auch, kann mich noch erinnern, das ich mir oft die gerippten Midis div. Spiele auch nur mal so angehört habe, weil mir der Klang damals so gefallen hat. Vor allem die Midis von Lands of Lore klangen auf der Karte einfach toll.

    Antwort
  • 10. März 2013 um 12:19
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    Hmm, ich hab bei eBay auch eine gefunden, und der schreibt, dass die aus seinem alten PIII kommt. Mein Retro-Rechner hat auch einen PIII mit 550 Mhz, und frag mich, ob die vielleicht geht (wegen dem oben beschriebenen Hardwarebug). Sonst wäre die Karte echt top.

    Antwort
    • 10. März 2013 um 15:43
      Permalink

      Klar geht die Karte. Es gibt nur diverse Rechner, auf denen die Karte dann einen Warmstart (STRG+ALT+ENTF) verhindert. Der Rechner startet dann neu, bleibt aber beim POST-Screen hängen. Es gibt aber auch Boards bei denen dieser Bug nicht auftritt. Dazu gehören z.B. Intel OEM Boards mit BX-Chipset (das SR440 z.B). Tritt der Bug auf, hilft nur die Reset-Taste.

      Antwort
      • 10. März 2013 um 17:39
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        Ok, dann binn ich unbesorgt 😉

        Antwort

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