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Dreamblaster Synth S1 (Dream SAM2195) Wavetable Daughterboard, 0.5MB

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Mit dem „Dreamblaster“ erreicht dieses Jahr (2014) ein brandneues Wavetablemodul den Markt. „Wie brandneu, der Standard ist doch schon Jahre lang veraltet ?!“ mögen Sie sich fragen. Ja, ist er auch, was den belgischen Entwickler Serge Defever nicht davon abgehalten hat, für experimentelle Zwecke ein zum Waveblaster-Standard kompatibles Daughterboard zu designen und schließlich zur Marktreife zu bringen und zu verkaufen.

Das Herzstück des mit 35x34mm winzigen Moduls ist der hochintegrierte SAM2195 Wavetablesynthesizer Chip der altbekannten französischen Synthesizerschmide Dream. Syntheziser, Effektprozessor und Instrumentenspeicher sind auf den kleinfingernagelgroßen BGA-IC beherbergt. Durch die Abmessungen eignet sich das Modul auch zum Aufstecken auf Soundkarten, die keine Fullsizemodule wie von Yamaha, Roland oder Korg aufnehmen können.

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Laut Datenblatt findet sich im 0.5MB großen ROM der altbekannte Cleanwave-Soundfont, den es schon seit den 1990er Jahren in Modulen von 1MB – 4MB Größe gab. Jedoch scheint das hier verwendete Cleanwave-Sampleset bis auf den Namen nichts mit dem alten gemein zu haben, der Klang ist vollkommen anders. Über mittelmäßig bis teilweise sehr schwach klingende Instrumentensamples wurde nicht am Einsatz von Reverb- und Choruseffekten gespart, so dass sich manche Unzulänglichkeit in einer dahinplätschernden Harmonie getrost überhören lässt. Betrachtet man die einzelnen Instrumentengruppen für sich, wird schnell deutlich, dass es auch im Jahre 2014 nicht möglich ist (komprimierte?) Samples in hoher Qualität auf 0.5MB ROM zu quetschen. Zwar hat das Modul einen durchaus knackigen Antritt mit seinen druckvollen (aber leider durchweg zu lauten) Drums und guter Bassausgabe, die Bläser klingen aber wie diverse Streichergruppen deutlich synthetischer als auf den meisten anderen Modulen, die ich bisher gehört habe. Zupfinstrumente wie die Harfe sind zum Davonlaufen. Jedoch haben es die Sounddesigner von dream geschafft, die Samples harmonisch aufeinander abzustimmen, so dass dem unbedarften Hörer vielleicht erst einmal gar nicht auffällt, dass die Instrumente gar nicht klingen, wie sie eigentlich sollten. Positiv hervorzuheben ist der gute Signalpegel – das Modul ist laut und dabei gleichzeitig sehr rauscharm.

Soll ich dieses Modul für 29,95 Euro versandkostenfrei aus Belgien nun zum Kauf empfehlen? Es fällt mir schwer!
Zwar bewerte ich den Vorstoß, ein neues Modul zu entwickeln als sehr positiv, aber die Qualität ist insgesamt vor allem aufgrund der geringen ROM-Größe von heutzutage geradezu lächerlich anmutenden 0.5MB weit unterhalb der in den 1990er Jahren üblichen Klangtreue angesiedelt.

Durch die starken Effekte, die permanent deutlich wahrnehmbar über den Instrumenten schweben, eignet sich das Modul trotzdem fürs „Easy Listening“ und somit für all jene Retro-Freunde mit knappen Budget, die geeignete DOS-Spiele mit besserer Musikuntermalung als OPL3 FM-Musik genießen wollen, gleichzeitig aber keinen Anspruch an die Klangtreue der Instrumente stellen. Wer keinen großen Wert auf authentisch klingende Instrumente legt, kann mit diesem Modul durchaus zufriedengestellt werden, auch wenn das dem eigentlichen Sinn eines Wavtablemoduls, instrumententreue Musikwiedergabe zu ermöglichen, zuwiderläuft – zu sehr vertuschen die starken Effekte die schwachen Samples.

Andererseits könnten die knapp 30 Euro z.B. auch in eine gebrauchte SoundBlaster AWE64 Soundkarte investiert werden, die sich momentan in der gleichen Preisklasse wie dieses Modul befindet. Die AWE Soundkarte bietet mit seinem 1MB Soundfont im ROM eine höhere Samplequalität mit weitaus realistischer klingenden Instrumenten und ist als All-in-One Lösung durch die überragende Kompatibilität und Kompetenz als Stand-Alone-Soundkarte vielseitiger einsetzbar als dieses Aufsteckmodul und für Einsteiger im DOS-Retro-Gaming sicher eine bessere Investition.

Wie immer habe ich meine 21 Standardmusikstücke auch mit diesem Modul aufgezeichnet. Viel Spaß beim Reinhören:

4 Kommentare zu Dreamblaster Synth S1 (Dream SAM2195) Wavetable Daughterboard, 0.5MB

  • VMUNIX

    Not bad for such a tiny ROM. Definitely would buy for my collection.

  • Dadys-Toy

    Ich finde es auch prima das endlich mal was für GM-Sound wiedererscheint! Dennoch hoffe ich das Erbauer mit den Einnahmen nur daran arbeitet bessere Sampels zu erstellen und die Hardware mit 2 oder 4MB ROM verschönert. Dies würde dem Klang sicher sehr zu Gute kommen und auch eine höhere Preisinvestition rechtfertigen. Es gibt zwar viele (alte) GM-Boards, jedoch kaum erhältlich und dann recht teuer.
    Den angesprochenen Bug find ich toll! Zeigt er doch das das Board recht nahe am Orginal ist. 🙂

    • FGB

      Die Hoffnung muss ich dir leider nehmen, der Chip ist fix so wie er ist. Der Mini-ROM ist im Chip integriert. Die Chips werden für unter 5 Dollar (das sind nichtmal 4 Euro) pro Stück eingekauft und stammen wahrscheinlich aus großen Überbeständen der Handy- und Spielzeug-Karaoke-Produktion.

      Es gibt leider keine größere Version davon, so dass man für einen besseren Klang auf ein altes Board zurückgreifen muss. Die kosten zwar (deutlich) mehr, aber für einen DOS-Freak ist es meist sehr gut angelegtes Geld, zumal die Verfügbarkeit der alten Module endlich sind.

      //edit: Mittlerweile gibt es seitens des Entwicklers neue Boards mit größeren ROMs, die jedoch mit 80 Euro in einer ganz anderen Preisklasse auftreten und so mit hochwertigen Soundkarten konkurrieren (z.B. Maestro 32/96 usw.), denen sie dann klanglich leider unterlegen sind.

      Viele Grüße
      Fabian

  • Valnar

    Ach, das finde ich schön, wenn alte Standards wieder aufgegabelt werden! Generell finde ich, hat es für 0,5MB einen ziemlich guten Klang, auch wenn sich manche Sounds wie aus einem FM-Synth anhören. Leider hat der Dream-Synth wieder den altbekannten Bug, dass (insbesondere Descent-Titel, z.B. Descent-Level 21) am Anfang statt den üblichen Instrumenten da dann das Piano 1 abgespielt wird.

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