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Turtle Beach HOMAC (Rockwell / Kurzweil) Wavetable Daughterboard, 4MB

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Das Turtle Beach HOMACH Daughterboard wurde einst mit der Profisoundkarte „Pinnacle Studio“ als zweiter Synthesizer der Karte ausgeliefert, um dort den Part der General Midi Kompatibilität zu übernehmen, während der andere Synthesizer sich mit Usersamples füttern ließ. In den Einzelhandel ist die kleine Aufsteckplatine nicht gelangt. Da das Board wie die allermeisten Wavetableboards auf den von Creative Technology 1993 eingeführten WaveBlaster-Standard mit 26-poliger Buchenleiste beruht, lässt es sich auch an allen WaveBlaster-kompatiblen Soundkarten anschließen und betreiben – jedoch nicht ohne ein unüberwindbares Manko, doch dazu später mehr.

Technisch basiert das Board auf dem Rockwell Synthesizer mit 32-stimmiger Polyphonie mit Effektprozessor und einem 2MB ROM, der einen komprimierten, General Midi konformen Soundfont mit 4MB Größe von Kurzweil enthält. Es handelt sich bei dem Soundfont um den gleichen, mit dem Turtle Beach auch auf seine letzte ISA-Karte, die Malibu Surround 64, bestückt hat.

Die Qualität der Samples ist sehr gut, jedoch teilweise mit einer vollkommen anderen Klangcharakteristik als von Roland oder Yamaha gewohnt. Hier erwartet den Hörer der typische und deshalb so berühmte Kurzweilsound im Kleinformat: Die sehr guten Bläser, Streicher und Trommeln sorgen für brachiale Orchestersounds, die auch einen Vergleich mit Branchenprimus Roland nicht scheuen müssen und diesen von der atmosphärischen Dichte noch übertreffen (Anspieltip: Track 18, Track 21). Spielt man mit der Karte Doom, wird man sich zunächst wundern und einige Zeit brauchen um zu merken, dass es doch die gleichen Instrumente sind: Der Kurzweil-Sound schiebt den Rocktrack gehörig in Richtung Industrial – sicher nicht jedermanns Sache aber sicher auch einzigartig in der Landschaft der Wavetablesounds.
Im direkten Vergleich mit der Malibu Surround 64 Soundkarte mit gleichem Soundfont aber ohne Effektprozessor stelle ich keine allzugroßen Unterschiede fest. Die Malibu 64 verfügt über einen (per default sehr großzügig eingestellten) Software-Reverb, der meiner Meinung nach qualitativ (nicht quantitativ) besser klingt als die äußerst sparsamen Reverbeffekte des HOMAC-Moduls, die zudem bei einigen Samples für einen unangenehmen Instrumentenausklang während der RELEASE-Phase sorgt. Bei den Streichergruppen hilft dem Daughterboard zudem der Choruseffekt ein wenig, jedoch klingt das Modul auch in diesem Bereich ein wenig undynamisch.

Diese Feinheiten wären aufgrund der sehr guten Samples zu vernachlässigen, gäbe es nicht ein viel größeres Problem: Das Turtle Beach HOMAC Modul hat einen derart geringen Signalpegel, dass es fast unmöglich ist, die Musik mit vernünftiger Lautstärke aufzuzeichnen, ohne durch höhere Verstärkung ein permanentes Grundrauschen mitaufzunehmen. Ob das Problem auch auftritt, wenn das Daughterboard auf der Pinnacle Studio Soundkarte steckt oder diese evtl. einen Verstärkerschaltkreis direkt hinter dem Eingang des Signals hat, kann ich in Ermangelung dieser Karte leider weder bestätigen noch dementieren. Zunächst dachte ich noch an eine Unzulänglichkeit meiner bisher stets tadellosen Aufnahmekarte (Terratec XFire 1024), musste dann aber feststellen, dass auch andere Karten, die ich probiert habe (SoundBlaster AWE32, EWS64XL, Terratec Gold16/96), das Problem nicht lösen konnten. Bereits auf DOS-Ebene mit dem altbekannten GSPLAY-Midiabspieler klang das Turtle Beach HOMAC Daughterboard leider sehr sehr leise. Das lässt sich bei Spielen natürlich mit einem hochwertigen Verstärker noch relativ rauschfrei kompensieren. Für Wavetablerecordings, bei denen das Ziel sein sollte, das Signal des Moduls so unverfälscht und damit so authentisch wie möglich aufzuzeichnen, ist ein derart leises Modul ein Graus. So blieb mir nichts anderes übrig, als die Aufzeichnungen mit normalem, also beim HOMAC sehr leisen Pegel aufzuzeichnen und dann mit meiner Postprocessingsoftware auf der Floating Point 32-Bit Ebene das Verstärkerplugin zu verwenden und dann zu normalisieren. Herausgekommen sind hörbare Tracks, die jedoch nach wie vor deutlich leiser sind als alle anderen Module, die ich jemals aufgezeichnet habe.

Um das Dilemma zu verdeutlichen ist in der nachfolgenden Abbildung ganz oben als Referenz ein Track dargestellt, der mit der Turtle Beach Tropez Plus Soundkarte aufgezeichnet wurde; in diesem Bereich liegen alle mir bekannten Module und Soundkarten, Abweichungen von max. 20% davon sind je nach Modul normal. Unter dem Referenztrack ist der bereits verstärkte Track des HOMAC-Moduls, darunter der unverstärkte Orignalpegel des Moduls:

homac_output_problem

An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an meinen niederländischen Wavetablefreund Chiel Kersten, der mir dieses Modul auf Vertrauensbasis ausgeliehen hat. Chiel sammelt Wavetablemodule und hat auf seiner Homepage so manchen Exot abgelichtet: Wavetable Homepage von Chiel.

Last but not least möchte ich die Aufnahmen natürlich nicht für mich behalten. Das Modul ist defintiv hörenswert. Star Wars und auch Warcraft 2 gefallen mir außerordentlich gut mit dem Kurzweil Soundfont:

[ti_audio name=“Turtle Beach HOMAC“]

 

2 Kommentare zu Turtle Beach HOMAC (Rockwell / Kurzweil) Wavetable Daughterboard, 4MB

  • anonym

    Hab’s nun auch mal an einem anderen Gerät probiert und direkt mit einem anderen billig-Wavetable verglichen.
    Das Modul ist tatsächlich etwas leiser, allerdings hält sich das bei mir ziehmlich in Grenzen.

  • anonym

    Also auf meiner Pinnacle klingt’s von der Lautstärke her optimal.

    Es ist allerdings richtig, dass die Karte scheinbar extra Verstärker an den Wavetables hat (gibt einen zusätzlichen Lautstärkeregler zum eigentlichen).

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